Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung der Bedienfreundlichkeit und der Analyse des Nutzerverhaltens. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Website erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

OK
Rubi Health – Telemedizin und -psychotherapie für (werdende) Mütter in Nigeria

Rubi Health – Telemedizin und -psychotherapie für (werdende) Mütter in Nigeria

Rubi Health bietet psychotherapeutische Betreuung in ländlichen Krankenhäusern in Nigeria an. Ihre primäre Zielgruppe sind (werdende) Mütter, die während oder nach der Schwangerschaft an Depressionen oder Ängsten leiden.

Rubi Health  ermöglicht Patientinnen Therapiestunden zu erschwinglichen Preisen buchen, die per Videochat in den von den Krankenhäusern bereitgestellten Räumen stattfinden. Auf diese Weise können Therapeut*innen von überall aus sich einwählen und der Mangel an medizinischem Personal vor Ort behoben werden. Darüber hinaus organisiert Rubi Health regelmäßig „Health Camps“, in denen Tausende von Frauen zum ersten Mal ihre psychische Gesundheit untersuchen lassen können.

Wir sprachen mit der Gründerin Abigail Alabi Michael darüber, wie sie Rubi Health aufgebaut hat, was ihre größte Herausforderung bisher war und wie sie sich als Vorbild für Frauen in Nigeria sieht.

Wir beginnen immer mit der gleichen Frage. Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Abigail: Ich bin selbstlos, ehrlich. Ich bin alles für jeden.

Abigail Alabi Michael (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institut)

Nimm uns mit zum Anfang, was war die erste Idee, was war deine Vision, die dich dazu gebracht hat, dein Unternehmen zu gründen?

Abigail: Die Idee ist es, die psychische Gesundheitsversorgung von Frauen während der Schwangerschaft und nach der Schwangerschaft in Afrika zu verbessern. Mein Unternehmen habe ich auf der Grundlage meiner persönlichen Erfahrung gegründet. Ich bin Krankenschwester von Beruf und habe auch Umweltwissenschaften und Ressourcenmanagement studiert.

Als ich schwanger war, wurde mir irgendwann bewusst, dass ich Angst davor habe. Als die Ängste stärker wurden, begann ich nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten zu suchen, die/der mich unterstützen und beraten sollte, wie ich mit meiner Angst umgehen und was mich beruhigen könnte. Ich suchte insgesamt drei Monate nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten und es waren die stressigsten Monate meines Lebens. Ich konnte einfach niemanden finden und meine Ängste wurden stärker.

Erschwert wurde meine Suche dadurch, dass ich in einer sehr ländlichen Region lebe und nicht ständig mit einer anderen Therapeutin oder einem Therapeuten sprechen wollte. Ich wollte gern jemanden haben, der mich unterstützt und ich musste drei Monate suchen, bis ich jemand qualifiziertes fand. Es war die stressigste Zeit in meinem Leben. Ich war einsam, ich konnte keine Hilfe finden, ich wusste nicht, wohin ich gehen sollte, ich wusste nicht, was ich tun sollte.

In meinem Job als Krankenschwester arbeitete ich mit sehr vielen schwangeren Frauen und mit jungen Müttern. Mir wurde klar, dass selbst ich als Krankenschwester viel und lange suchen musste, bis ich eine Therapeutin oder einen Therapeuten gefunden hatte und dass über 80% der Frauen auf der Welt keinen Zugang zur richtigen psychotherapeutischen Versorgung haben. Und das hat das Feuer in mir entfacht, etwas zu tun was anderen Frauen hilft. Ich kündigte meinen Job als Krankenschwester und gründete Rubi Health. Basierend auf meiner persönlichen Erfahrung möchte ich Frauen helfen. Ich will nicht, dass sie denselben Stress durchmachen, den ich selbst auf der Suche nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten hatte.

Was ich während meiner Recherche auch herausgefunden habe, ist, dass viele Frauen in schweren Fällen von Angst und Depression Selbstmord begehen oder sogar ihre Neugeborenen töten. Ich las von einem Fall, bei dem eine Mutter ihr neu geborenes Baby ermordet hat. Als die Behörden sie fragten, warum sie diese schreckliche Tat begangen hatte, sagte sie, sie wusste nicht an wen sie sich wenden sollte und sie hätte nicht das Geld, ihr Baby zu ernähren. Am selben Tag war ich deprimiert und emotional niedergeschlagen, also dachte ich mir: Wenn diese Mutter die Möglichkeit gehabt hätte mit einem Therapeuten zu sprechen, der sie trösten und emotional beruhigen würde, hätte sie das nicht getan. Wer weiß, was aus dem Kind geworden wäre?

Als ich Mutter wurde, war ich selbst sehr depressiv. Mein Mann musste gleich nach der Geburt verreisen. Er ist auch ein Unternehmer und Arzt, er war über vier Monate lang auf Geschäftsreise. In den ersten vier Monaten war ich also die Einzige, die sich um unser Baby gekümmert hat, auf den Markt gegangen ist und sich um den Haushalt gekümmert hat. Ich war depressiv und dachte irgendwann daran Selbstmord zu begehen. Aber ich habe tatsächlich einen Therapeuten gefunden, mit dem ich sprechen konnte. Er beruhigte mich und er verschrieb mir Medikamente, die mir halfen. Wenn ich nicht mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten gesprochen hätte, weiß ich nicht, was passiert wäre.

 

Wie hast du angefangen, Rubi Health aufzubauen, was waren die ersten Schritte?

Abigail: Der erste Schritt war, in die ländlichen Kliniken zu gehen, weil ich feststellte, dass die meisten Frauen mit Depressionen aus ländlichen Gegenden stammen. Ich war Krankenschwester, also hatte ich die nötigen Kontakte und konnte mit den Ärzt*innen und Manager*innen der Krankenhäuser sprechen.

Ich habe mit zwei Kliniken angefangen. Ich erzählte ihnen von meiner persönlichen Erfahrung und was ich tun wollte, um anderen Frauen zu helfen. Ich wurde gebeten an einem Tag zu kommen, an dem die jungen Mütter vor Ort sein würden, damit ich direkt mit ihnen sprechen kann. Die meisten von ihnen wissen nicht, dass sie unter Angstzuständen leiden oder depressiv sind. Dabei ist dies ein häufiges Problem in der Schwangerschaft oder nach der Geburt.

Eine Herausforderung war und ist, dass wir nur 240 qualifizierte Therapeut*innen in ganz Nigeria haben, die sich um über 200 Millionen Menschen kümmern sollen. Wir haben psychiatrische Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen, aber nur 240 Therapeut*innen. 99% von ihnen sind in urbanen Gegenden und sie sind nicht bereit, in ländliche Gebiete zu kommen. Ich diskutierte mit meinem Mann und hatte die Idee, die Ärzt*innen aus den Städten virtuell mit diesen Frauen zu verbinden.

Doch um das zu tun, brauchten wir Geld. Das war also der zweite Schritt. Ich musste zunächst mein eigenes Geld investieren. Aber ich sprach auch mit meiner Familie und auch mit einigen Leuten, von denen ich wusste, dass sie helfen konnten. Auch sie investierten, sodass ich ein Pilotprojekt starten konnte. Ich hatte einen Laptop und eine Internetverbindung, eine Website und die Beschreibung.

Dann dachte ich darüber nach, Community-Kampagnen durchführen, um Bewusstsein für unser Projekt zu schaffen. Wir fingen an, auf unsere Idee aufmerksam zu machen und Frauen darüber zu informieren, was wir taten. Gleichzeitig sprach ich mit meinem Mann, dass wir einige Leute brauchen, die sich mit unserer Thematik auskannten und uns leidenschaftlich gern unterstützen würden. Er hat daraufhin einige seiner Freunde kontaktiert und ich habe einige meiner Kontakte angesprochen und dann haben wir angefangen. Wir sind jetzt zu acht bei Rubi Health.

 

Was waren am Anfang die größten Herausforderungen und wie hast du sie gelöst?

Abigail: Ich hatte zwei große Herausforderungen. Meine erste Herausforderung war der Umgang mit Ärzt*innen. Einige von ihnen versuchten, sich mit mir zu verabreden und begannen, mit mir zu flirten. Das war eine wirklich große Herausforderung für mich. Ich habe aber sehr schnell mit meinem Mann darüber gesprochen und jetzt spricht er mit den Ärzten, was es viel einfacher macht.

Eine weitere Herausforderung ist die Finanzierung. Wir müssen schnell wachsen, weil viele Frauen das durchmachen, was ich während meiner Schwangerschaft und nach der Geburt durchgemacht habe. Das unternehmerische Ökosystem in Nigeria ist sehr groß, wir haben viele junge Unternehmer*innen, und es ist sehr schwierig, finanzielle Unterstützung zu erhalten. Einzige Ausnahme sind Programms wie F-Lane, bei dem wir direkt mit einer Investorin oder einem Investor oder jedem, der zum Erfolg unseres Unternehmens beitragen kann, sprechen können. Die zweite Herausforderung ist also die Finanzierung. Wir müssen sehr schnell skalieren. Unser Vorteil: Wir müssen keine Arbeitskräfte einstellen, wir arbeiten direkt mit dem Personal der Krankenhäuser zusammen, so dass wir niemanden bezahlen müssen. Wir müssen nur die Einnahmen gemäß unseres Business Models unter den beteiligten Parteien aufteilen.

Olayemi Olamilekan Aryio und Abigail Alabi Michael (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institut)

Werfen wir einen Blick auf die positive Seite des Gründens, was ist ein Höhepunkt seit deinem Start, an den du dich immer erinnern wirst?

Abigail: Da gibt es viele Dinge. Der erste Punkt ist, dass ich in der Lage war, meine Depression zu behandeln. Und dann sind da zwei kritische Fälle von sehr depressiven Frauen: Eine von ihnen wollte sich selbst und ihr Kind töten. Aber zum Glück konnte ich ihr helfen. Ich habe eine Gabe, Menschen zu beruhigen, wenn sie gestresst sind. Wenn ich mit ihnen rede beruhigen sie sich. Genau das habe ich mit dieser Frau getan und ihr damit praktisch das Leben gerettet.

Die andere Frau versuchte über fünf Jahre schwanger zu werden, leider ohne Erfolg. Als sie nach den vielen Jahren doch schwanger wurde, hatte sie mit vielen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Ich riet ihr, sich mit einer Therapeutin oder einem der Therapeuten in Verbindung setzen, und nachdem dieser sie beraten hatte, kam sie zu mir zurück und dankte mir für meine Hilfe. Sie sagte, sie wusste nicht einmal, dass ihr Zustand etwas war, was auch andere schwangere Frauen durchmachen. Sie dachte schlichtweg, sie sei irgendwie verflucht.

Sie sprach mit einem der leitenden Therapeuten und er blieb kontinuierlich ihr Ansprechpartner. Das ist einer der Vorteile von Rubi Health gegenüber anderen Plattformen. Wir vernetzen Frauen mit Ärzt*innen in ihren regionalen Sprachen und sie behalten immer ein und denselbe*n Therapeut*in – es sei denn sie möchten gern wechseln.

Dies sind nur zwei Fälle, aber diese waren sehr kritisch. Ich bin froh, dass durch meine Arbeit die Depression unter schwangeren Frauen abnimmt. Rubi Health hat tausenden von Frauen geholfen, wir haben mittlerweile mehr als 10.000 Sitzungen gemacht und wir haben jeden Monat rund 2.500 Frauen unterstützt.

 

Wo wird Rubi Health in drei Jahren sein?

Abigail: Meine Vision ist es, glückliche Frauen und glückliche Communitys in Afrika zu etablieren. Ich sehe Rubi Health in Zukunft als eine große Community in fünf bis sechs Ländern in Afrika. Angefangen haben wir in Nigeria, aber wir haben unsere Registrierung in Ruanda in einigen Monaten abgeschlossen, wenn wir finanzielle Förderung sichern können. Außerdem möchten wir auch nach Ghana expandieren. Wir wollen sicherstellen, dass schwangere Frauen während ihrer Schwangerschaft und nach der Geburt glücklich und ohne Ängste sind, wir möchten Depressionen reduzieren und eine glückliche Community aufbauen.

 

Was sind die nächsten zwei bis drei Schritte für dich?

Abigail: Der erste ist die Sicherung von Investitionen, die Verwirklichung meiner Vision. Die zweite ist die Arbeit, die ich tue, fortzusetzen, um noch mehr Frauen zu erreichen. Über Social Media werde ich auch eine Kampagne starten, um Frauen zu beraten, um sie zu besänftigen, auch wenn sie nicht direkt in die Klinik kommen. Ich hoffe, dass sie allein durch regelmäßige Posts über unsere Social-Media-Kanäle sehen, dass sie nicht allein sind.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, eine mobile App zu entwickeln, in die ein Teil der Investition fließen soll. Über eine App werden wir Tausende von Menschen erreichen. Über 100 Millionen der nigerianischen Bevölkerung sind Frauen und wir tun was wir können, um mehr Frauen zu erreichen – in den urbanen Regionen als auch in den ländlichen Gegenden. Wir wollen eine mobile App, die Millionen von Frauen in Nigeria und ganz Afrika erreichen kann.

 

Wie siehst du deine Rolle als Gründerin: Was ist deine Verantwortung, sagen wir als Vorbild, für andere Frauen in der Region?

Abigail: Ich sehe mich als großes Vorbild für Frauen und werde immer mein bestes geben, weil ich meinen Hintergrund und meine Geschichte kenne. Drei Jahre nachdem ich zur Welt kam, kam mein Vater und nahm mich einfach mit. Ich habe im Leben viel durchgemacht, um das zu werden, was ich heute bin. Ich weiß, dass wann immer ich mit jemandem spreche, zum Beispiel auf einer Konferenz oder einem Meeting, mich viele bereits als Vorbild sehen. Ich bin ein Vorbild für Frauen, ich werde es immer sein und ich werde sie immer versuchen auf den richtigen Weg zu bringen, mich immer dafür engagieren, dass in es Frauen gut geht

 

Was wäre deine Botschaft an angehende Gründerinnen?

Abigail: Niemals nachgeben und am Erfolg arbeiten, denn erfolgreich zu werden ist keine leichte Aufgabe. Aber mit konsequenter Arbeit und dem Glauben an Gott wirst du dein Ziel erreichen.

Zweitens, sei so ehrlich wie möglich, denn wenn du nicht ehrlich bist, wird es irgendwann herauskommen und auf dich zurückfallen. Also glaubt an euch selbst, seid ehrlich und glaubt an Gott!