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Developers in Vogue – Tech-Bootcamps für Frauen in Afrika

Developers in Vogue – Tech-Bootcamps für Frauen in Afrika

Developers in Vogue ist eine Community von Entwicklerinnen, die sich leidenschaftlich für den Einsatz von Technologie zur Weiterentwicklung Afrikas einsetzen.

Ivy Barley startete ihr Unternehmen 2017 und schult gemeinsam mit ihrem Team Frauen in den neuesten Technologien – und das anhand eines praxisorientierten und projektorientierten Lehrplans. Developers in Vogue vernetzt seine Teilnehmerinnen zudem auch mit Projekten und Jobs, so dass sie ihre neu erlernten Fähigkeiten auch einsetzen und ein Einkommen erwirtschaften können.

Wir sprachen mit Ivy und ihrem Strategie-Manager Tamer Shabani über die ersten Schritte des Unternehmens, die Herausforderungen und Erfolge und die nächsten Schritte.

Wir beginnen immer mit der gleichen Frage. Wie würdest du dich in drei Worten beschreiben?

Ivy: Das ist schwierig. Ich würde sagen, inspirierend. Kannst du etwas hinzufügen, Tamer?

Tamer: Ich würde sagen, dass Ivy authentisch ist und das ist etwas, was man im Unternehmertum nicht allzu oft findet. Es ist eine sehr gewinnorientierte Branche, und jemanden zu haben, der in der Lage ist, andere vor sich selbst zu stellen – was Ivy ständig tut – ist gleichzeitig sehr inspirierend und erfrischend.

Ivy Barley und Tamer Shabani stellen ihr Unternehmen vor (Credit: Silke Müller/Vodafone Institut)

 

Wie bist du auf die Idee gekommen und wie hast du angefangen?

Ivy: Ich habe mich schon in meiner Jugend für Technologie interessiert. Ich war privilegiert, weil ich zu Hause Zugang zu Computern und Internet hatte und ich online gehen konnte, um selbstständig zu lernen. Das weckte erstmals mein Interesse an Technologie.

Während meiner Arbeit an einer Schule in Accra, wo ich junge Mädchen beim Lernen von Mathematik, Programmierung und Statistik unterstützen durfte, wuchs auch meine Begeisterung für Technologie weiter. Das war eine großartige Gelegenheit für mich, denn normalerweise heißt es bei uns in Ghana, dass Frauen Angst vor Computern haben und dass Mädchen keine Technik mögen. Ich habe genau das Gegenteil erlebt, als ich in der Schule arbeitete. Die Mädchen waren immer sehr aufgeregt und hatten wunderbare Ideen, was wir mit Hilfe der Technologie alles machen könnten. Das hat mein Interesse geweckt, nicht nur in die Tech-Branche zu gehen, sondern auch mehr Frauen für die Branche zu begeistern und sie mitzunehmen.

Zu dieser Zeit nahm ich an vielen Tech-Meetups und Konferenzen teil, in der Regel war ich die einzige Frau oder eine der wenigen Frauen im Raum. Ich habe mich gefragt, warum nicht mehr Frauen in der Tech-Industrie tätig sind. Meine Mitbegründerin und ich hatten dann die Idee, Developers in Vogue zu starten, um das ideale Umfeld für mehr afrikanische Frauen zu schaffen, sich für Tech zu interessieren und dieses Thema aktiv anzugehen.

Interessanterweise dachte ich immer, ich würde Dozentin werden, und ich arbeitete tatsächlich auf dieses Ziel hin. Doch dann starteten wir Developers in Vogue und ich bin heute wirklich glücklich darüber, denn meine Arbeit dreht sich hauptsächlich um Impact. Zu wissen, dass wir das Leben vieler Frauen verändern, ist sehr inspirierend.

 

Eine Idee ist ein sehr theoretisches Konzept, nur wenn man sie in die Tat umsetzt, schafft man Impact. Du hattest die Idee und ein Konzept, aber wie hast du angefangen, dein Business aufzubauen?

Ivy: Als ich in der Schule war, hatte ich ein kleines Geschäft, bei dem ich Popcorn und Getränke bei Veranstaltungen verkaufte. Ich wusste immer, dass ich eine gute Unternehmerin sein würde, aber ich wusste nicht wirklich, in welchem Bereich. Und ich dachte eigentlich auch immer, ich würde Dozentin werden.

In der Uni hörte ich dann von einem Programm für Frauen, die die Idee hatten, ein Unternehmen zu gründen. Das Konzept war einfach: Du bewirbst dich, bekommst Geld und gründest ein Unternehmen. Ich habe mich für dieses Programm beworben, und über das Programm habe ich tatsächlich meine Mitgründerin getroffen. Wir diskutierten die Idee für Developers in Vogue und beschlossen, zu beginnen.

Als wir mit Developers in Vogue gestartet haben, hörte ich noch relativ am Anfang, dass das Impact Hub Accra ein Programm für Frauenführte, die Ideen hatten, um anderen Frauen zu helfen. Wir haben uns für dieses Programm beworben und den Pitch gewonnen, und damit auch eine Reise nach Berlin. Im Jahr 2017 kamen wir also nach Berlin und haben dann auch hier den Wettbewerb gewonnen. So lernten wir die deutsche Kanzlerin kennen, das war ein großer Schub für uns, denn wir standen erst am Anfang. Durch das Treffen mit Angela Merkel bekamen wir zuhause in Ghana viel Aufmerksamkeit in der Presse. Noch bevor wir wieder nach Ghana zurückkehrten, haben uns die Leute für Interviews kontaktiert. Wir haben zwei BBC-Interviews gemacht und genau diese mediale Aufmerksamkeit hat uns die nötige Glaubwürdigkeit beschert. Wir nutzten diese Aufmerksamkeit, die wir durch unseren Besuch in Berlin hatten, um mehr Partnerschaften und Jobvermittlungen für unsere Frauen zu bekommen. Es war definitiv ein Programm, das uns geholfen hat, unsere Idee zu verwirklichen .

 

Wenn ihr jetzt zurückblickt, was war die größte Herausforderung bisher und wie habt ihr sie gemeistert?

Ivy: Eine der größten Herausforderungen für uns war bisher der Aufbau der Community. Bestehende Programme zu Hause – die versuchen, mehr Frauen in die Technik zu bringen – haben Lücken in ihrer Struktur, insbesondere in Bezug auf das Ende der Ausbildung. Sobald die Frauen ausgebildet sind, kehren sie nach Hause zurück; es gibt keine unterstützende Gemeinschaft , die ihnen hilft, tatsächlich erfolgreich zu sein. Basierend auf diesem Wissen haben wir uns entschieden, einen Schritt weiter zu gehen und die Frauen über die eigentliche Ausbildung hinaus zu unterstützen. Für diejenigen, die keine Laptops haben, bieten wir Darlehen an, damit sie einen Laptop kaufen können. Das ist natürlich riskant, da wir nie wissen, ob sie es uns zurückzahlen können. Wir bieten ihnen auch Zugang zum Internet.

Der Aufbau einer Community braucht Zeit, also haben wir Vollzeitkräfte eingestellt, um sie aufzubauen. Developers in Vogue befindet sich noch in der Anfangsphase. Wir wachsen wirklich schnell, aber wir wollen nicht den Kern dessen verlieren, was wir tun, nämlich die Community.

Eine weitere Herausforderung ist meine Verfügbarkeit. Anfangs habe ich alle Anfragen und Nachrichten von Frauen in unserem Netzwerk selbst schnell beantwortet. Aber jetzt, da wir so stark gewachsen sind, kann ich nicht sofort auf jede WhatsApp-Nachricht reagieren, weil es einfach zu viele davon gibt.

Tamer Shabani und Ivy Barley (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institute)

Was ist einer der größten Erfolge, die ihr bisher erzielt habt?

Tamer: Einer der größten Erfolge war es, unseren eigenen Community-Raum zu finden. In den letzten vier Monaten haben wir einen eigenen Raum angemietet, der dazu beigetragen hat, unsere langfristigen Kosten zu senken, weil wir vorher immer Flächen mieten mussten. Wenn wir in Ghana zu Anbietern von Veranstaltungsräumen oder verschiedenen Unternehmen gingen, waren die Preise für uns sehr hoch. Unser jetziger Raum hat nicht nur dazu beigetragen, Kosten zu senken, sondern auch wirklich zu einer nachhaltigen Gemeinschaft beigetragen, in der Frauen, die das Programm durchlaufen haben, einfach kommen und eine Idee teilen können oder wenn sie einen schlechten Tag haben, um Unterstützung bitten können.

Das in unseren Kreislauf einzubinden, nicht nur Tech-Ideen, sondern auch eine echte Gemeinschaft für die Mädchen anbieten zu können, war für uns ein großer Erfolg. Wir sind sehr stolz auf unseren Community-Raum.

 

Was ist eines deiner persönlichen Highlights, Ivy, die du als Unternehmerin hattest?

Ivy: Für mich dreht sich alles, was ich tue, um den Impact. Ich baue Developers in Vogue nicht für meine eigenen Zwecke auf. Als wir anfingen, konnten wir den Impact unserer Arbeit bereits sehen und das sind für mich Highlights, auch als Privatperson.

Ein Beispiel, das ich teilen kann, ist das einer Frau, der wir einen Job in einem Unternehmen vermitteln konnten. Sie war seit ihrem Schulabschluss arbeitslos und hatte kein Geld, um für ihre Familie zu sorgen. Und sie war die Einzige, die sich darum kümmerte. Sie kam in unser Programm und nachdem sie das Programm beendet hatte, bekam sie einen Vollzeitjob in einem Technologieunternehmen in Ghana. Jetzt bekommt sie ein sehr gutes Gehalt und kann für ihre Familie sorgen. Ich erinnere mich, als sie mich anrief. Sie weinte, denn sie hatte nicht erwartet, dass ihr das passieren würde.

Selbst in schwierigen Momenten – denn natürlich ist Unternehmertum hart – und wenn es nicht gut läuft, denke ich über die Geschichten der Frauen nach und das ist es, was mich wirklich antreibt und mich voranbringt. Manchmal kommen auch Reisegelegenheiten hinzu, die unsere Arbeit sehr abwechslungsreich gestalten. Manchmal reise ich, aber meistens ermutige ich die Frauen aus unserem Programm, zu gehen, weil ich nicht das einzige Gesicht des Unternehmens sein will. Eine unserer Frauen war während des Programms schon in fünf verschiedenen Ländern. Und das ist auch eine Inspiration für die anderen Frauen, denn sie sehen, dass es einer von ihnen wirklich gut geht und wenn sie sich viel Mühe geben, können sie das auch alles tun und ins Ausland reisen. Das ist ein riesiger Ansporn.

 

Du sagtest, du willst nicht das einzige Gesicht des Unternehmens sein, und du hast einen starken Fokus auf die Community. Was würdest du sagen, ist deine Rolle als Vorbild?

Ivy: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Vorbilder zu haben. Ich habe fast die Universität nicht abgeschlossen, weil ich viele emotionale Momente hatte und an Depressionen litt. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich. Zwei meiner Dozentinnen waren zu dieser Zeit meine Vorbilder und Mentorinnen. Sie gaben mir Ratschläge und nahmen mich in den Arm, wenn ich wirklich deprimiert war und weinte. Das war wirklich wichtig. Im Juni dieses Jahres lud mich meine Schule ein, um bei der Abschlussfeier des aktuellen Jahrgangs zu sprechen. Meine Geschichte zu erzählen und meine beiden Mentoren zu sehen, brachte mich zum Weinen.

Ich weiß auch, wie wichtig es ist, Vorbildern Sichtbarkeit zu geben. Ich bin offen für Gelegenheiten, vor jüngeren Mädchen zu sprechen, meine Geschichte zu erzählen und sie zu inspirieren. Bisher wurde ich in einer Reihe von Büchern erwähnt, eines davon von der deutschen Regierung über Frauen in der Technik. Wenn wir in die Schule gehen, sehe ich manchmal, wie die Mädchen darüber lesen und sich inspirieren lassen, und so werde ich zum Vorbild.

Außerdem versuche ich auch, unsere Geschichte auf Facebook und LinkedIn zu erzählen, nicht nur die guten Seiten des Unternehmertums, sondern auch die herausfordernden. Und viele Frauen kommentieren, wie ich sie sehr inspiriert habe und dass sie so sein möchten wie ich.

 

Was ist deine persönliche Vision?

Ivy: Ich sehe mich selbst als eine der zehn einflussreichsten Frauen in Afrika, wenn es um Technologie geht. Ich möchte, dass afrikanische Frauen mich sehen und wissen, dass alles möglich ist und sie alles erreichen können, was sie wollen.

 

Wo wird Developers in Vogue in 5 Jahren sein?

Tamer: Ich denke, wir werden einen globalen Outreach haben. Wir werden viel innovativer sein, wenn es darum geht, Student*innen und Talente mit neuen Jobs zu verbinden, was bedeutet, dass wir Technologie mit Hilfe von Plattformen integrieren und uns ein wenig von physischer Arbeit entfernen werden. Ich würde sagen, viel innovativer, größere Reichweite und hoffentlich viel mehr Geschichten über Frauen und ihr Leben, die sich durch unsere Arbeit verändern.

 

Glaubst du, dass die Zukunft der Frauen im Tech-Bereich liegt?

Ivy: Aus verschiedenen Gründen, denke ich schon. Ich bin nicht voreingenommen, aber ich sehe, dass afrikanische Frauen so viel Potenzial haben. Es gibt so viel, was wir in den nächsten Jahren erreichen können.

In Anbetracht der Tatsache, dass Frauen die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, ist es sehr wichtig, Frauen die Möglichkeit zu geben, nicht nur Konsumentinn von Technologie zu sein, sondern auch deren Produzentinnen. Das ist meine persönliche Einstellung, besonders für afrikanische Frauen. Zu sehen, wie sie erfolgreiche Tech-Firmen gründen, sich Tech-Firmen anschließen und innovative Projekte entwerfen, ist die Bestätigung.

Wir ermutigen die Frauen in unserem Programm, ein Problem in ihrer Community zu identifizieren und Technologien zur Lösung dieses Problems einzusetzen. Wir hatten einige Frauen in der Community, die Projekte im Gesundheits- oder im Transportwesen aufgebaut haben, und diese Frauen an der Spitze dieser Innovationen zu sehen, ist etwas, das bereits passiert. Doch mit Organisationen wie unserer und Menschen wie uns, sind wir sicher, dass wir so viel mehr tun können.

 

Was sind die nächsten Schritte für Developers in Vogue?

Ivy: Derzeit sind wir in Ghana präsent. In den kommenden fünf Jahren werden wir in andere afrikanische Länder expandieren. Wir bauen derzeit eine Stellenbörse auf und prüfen, ob sie noch in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres eingerichtet werden kann. Aber vor allem werden die Auswirkungen und die Geschichten über die Frauen mehr werden. Es geht nicht nur um die Zahlen an sich, es geht um die Auswirkungen auf das Leben jeder Frau in unserem Programm. Das ist es, was uns wirklich wichtig ist.