moWoza befreit Einzelhändler vom Bürokram

Wenn man afrikanischen Kleinunternehmerinnen digitale Tools gibt, wird großes Potential frei. Das inspirierte die Gründerin von F-LANE Finalist moWoza selbstständig zu werden.

Wir stellen euch heute Suzana Moreira, Gründerin von moWoza, vor. Mit ihrem Unternehmen, das seinen Sitz in Maputo in Mosambik hat, unterstützt Suzana Klein- und Mikro-Einzelhändler im südlichen Afrika mit mobilen Diensten rund um Bestandsführung und Dokumentation.

Suzana Moreira, Gründerin von moWoza (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institute)

Suzana, die ursprünglich aus Südafrika stammt, zog nach Mosambik, um eine Mobile-Commerce-Lösung mit verschiedenen Angeboten zu entwickeln, die lokalen Unternehmerinnen dabei helfen, ihr Geschäft aufzubauen und zu stärken, indem sie sie in „digitale Handelsgemeinschaften“ integriert. Sie entschied sich strategisch für den Aufbau ihres Geschäfts in Mosambik, da sie hier großes Potential sah, Frauen mit einem grundlegenden Geschäftssinn zu unterstützen und ihr Bewusstsein für die Nutzung digitaler Lösungen zu ihrem eigenen Vorteil zu schärfen. Das Handy als Werkzeug soll Unternehmerinnen helfen, ihr Arbeitsleben einfacher zu gestalten und ihr Geschäft mit Hilfe moderner Technologien auszubauen.

Wenn du dich selbst in drei Worten beschreiben solltest, wie würde das klingen?

Suzana: Viele Menschen aus meinem Umfeld sagen, ich sei sehr entschlossen. Und ja, ich bin ziemlich hartnäckig. Wenn ich etwas anfange, dann bleibe ich dabei und ziehe es bis zum Ende durch. Ich habe keine Angst vor Versagen. Wir alle scheitern und das ist in Ordnung, da es zum Leben dazugehört. Viele Leute sagen auch, dass ich sehr risikofreudig bin. Ich würde eher sagen, ich gehe kalkulierte Risiken ein. In dem Moment, in dem ich eine Entscheidung treffe, habe ich es mir bereits gut überlegt und wahrscheinlich sogar überanalysiert. Für einen Außenstehenden mag es vielleicht sehr mutig erscheinen. Sogar abenteuerlustig. Aber glaubt mir, ich habe die Situation sehr gut analysiert und für mich stellt es zum Zeitpunkt meiner Entscheidung kein Risiko mehr dar.

Wie bist du auf die Idee für dein Unternehmen gekommen? Und wann war der Moment, in dem du wusstest: „Das ist es! Das wird es sein!“?

Suzana: Ich wollte schon immer mein eigenes Unternehmen haben. Das muss ich direkt vorab einmal sagen. Ich wurde sehr stark von meiner Tante beeinflusst, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau war. Ich wusste von klein auf, dass es möglich ist: Du kannst deine Träume verwirklichen und das tun, was du willst. Ich wusste auch, dass ich eine Geschäftsfrau sein wollte. Die Frage, die ich mir stellte, war eher, was für Unternehmen es sein würde?

Suzana Moreira stellt ihr Unternehmen vor (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institut)

Während meiner Arbeit in der Modebranche habe ich dann sehr früh ein kleines Bekleidungsunternehmen gegründet. Aber da ein eigenes Unternehmen viel Mühe und Zeit erforderte und ich noch sehr jung war, war ich einfach noch nicht bereit, all meine Zeit in dieses Geschäft zu investieren. Ich wusste, dass man für ein erfolgreiches Geschäft Herz und Seele investieren muss – es gibt keine Auszeiten. Damals „parkte“ ich das Unternehmerdasein erst einmal wieder und ich arbeitete, studierte und lebte mein Leben.

Vor ein paar Jahren kam dann dieser innere Wunsch nach einem eigenen Unternehmen zurück. Ich erkannte, dass die Arbeit im Konzern nicht so erfüllend war, wie es sein könnte, wenn ich mein eigenes Unternehmen hätte. Endlich war ich bereit für die Herausforderung. Doch gleichzeitig kamen auch die anderen Fragen wieder auf: Was für ein Unternehmen wollte ich gründen? Zu dieser Zeit, das war 2008, war Social Entrepreneurship ein absolutes Buzzword, das mir mehr Klarheit gab: Ich wollte etwas aufbauen, was die Menschen beeinflussen würde, ich wollte etwas Gutes für die Gemeinschaft, für unseren Planeten und vor allem für die Menschheit tun.

Ungefähr zur gleichen Zeit stieß ich auf ein Thema, das mich wirklich berührte: Es ging um marokkanische Frauen, die von der spanischen Enklave Ceuta nach Marokko reisten und Waren in Taschen auf dem Rücken trugen, um sie zu verkaufen. Ich dachte, es muss doch einen Weg geben, diese Frauen zu unterstützen.  Ich habe daraufhin sehr viel zu diesem Thema recherchiert und bin auf grundsätzliche Probleme von Klein- und Kleinstunternehmen quer über den gesamten Kontinent gestoßen. Ebenfalls um dieselbe Zeit waren Mobiltelefone auf dem Vormarsch und so kam ich zu dem Entschluss, dass die Lösung darin bestehen müsse, ein Unternehmen (in diesem Fall mein eigenes) aufzubauen, das Mikro- und Kleinunternehmerinnen in Afrika einen Service anbietet, damit sie bessere und erfolgreichere Unternehmerinnen werden können.

Wann genau hast du angefangen?

Suzana: Die Idee entstand 2009. Ich habe viel um meine Idee herum recherchiert und wir haben dann 2014 angefangen, aktiv zu werden. 2014 eröffnete ich ein Büro in Mosambik, um das Unternehmen zu gründen und aufzubauen.

Was waren die ersten drei Schritte, mit denen du dein Unternehmen aufgebaut hast?

Suzana: Das ist ganz einfach zu beantworten: Ich bin in ein Land gezogen, in dem ich kein Netzwerk hatte. Also baute ich zunächst genau dieses Netzwerk auf.  Da ich mich entschieden hatte, in einen Bereich einzusteigen, in dem ich sehr wenig Erfahrung hatte, durchlebte ich zudem eine steile Lernkurve: Ich musste viel über Mobiltelefone und Technologien lernen, wie die Industrie in Mosambik funktionierte. Drittens baute ich dann ein Team auf, das mich dabei unterstützte, dieses Projekt zum Laufen zu bringen.

Gehen wir nochmal einen Schritt zurück: Warum hast du dich dazu entschieden, dein Unternehmen in Mosambik aufzubauen?

Suzana: Ich komme ursprünglich aus Südafrika und im Rahmen meiner Recherche fand ich folgendes heraus: Ich betrachtete Handelskorridore im südlichen Afrika und es gibt hier einen bedeutenden Korridor zwischen Südafrika, insbesondere Johannesburg, und Maputo. Viele Produkte in Mosambik stammen aus Südafrika, weil es der größte Importpartner Mosambiks ist. Es war daher strategisch sinnvoll, Mosambik als Ausgangspunkt für mein Business zu wählen. Und dann habe ich mir im zweiten Schritt den Weg von Geld-Überweisungen angesehen und herausgefunden, dass nicht nur Produkte, sondern auch viel Geld aus Südafrika nach Mosambik wandert. Es waren schlussendlich diese beiden Faktoren, die mich nach Mosambik geführt haben – eine sehr strategische Entscheidung.

Gab es einen Höhepunkt oder einen besonderen Moment, an den du dich gern erinnerst?

Suzana: Den gibt es in der Tat. Ich suchte einen Kontakt beim Ministerium für Handel und Gewerbe in Mosambik. Ich ging also zum Ministerium und sprach dort mit einem Mitarbeiter. Während unseres Gesprächs erfuhr ich, dass das Ministerium keine Datenbank besaß; sie wussten nicht, wie Produkte durch das Land reisten. Sie wussten nicht, ob sie z. B. in einer bestimmten Region des Landes einen Überschuss eines bestimmten Produktes hatten. Eine Datenbank mit solchen Informationen existierte schlichtweg nicht. Ich erkannte, dass dies eine einzigartige Gelegenheit war, es gab wirklich etwas, was in Mosambik getan werden konnte.

Gab es eine große Herausforderung, die du zu bewältigen hattest? Und wie hast du sie überwunden?

Suzana Moreira (Credit: Amin Akhtar/Vodafone Institut)

Suzana: Ja, und wir arbeiten nach wie vor an dieser Herausforderung. E-Commerce beziehungsweise Digitalisierung in Mosambik fängt jetzt erst richtig an. Ich musste mich also sehr früh damit abfinden, dass wir in Mosambik zu früh waren.

Wir mussten unsere Pläne neu gestalten, da die Mehrzahl der Geschäftsfrauen digitale Analphabeten sind. Wir mussten also erstmal Lösungen finden, damit sie im ersten Schritt Digitalkompetenzen erwerben konnten: Wir haben uns auf den Markt begeben, um unter anderem Business Support Services anzubieten und wir mussten wirklich einfache Textlösungen entwickeln, damit die Frauen unsere Services nutzen können. Es ist ein interessanter Weg, da wir Mikro- und Kleinunternehmen dabei unterstützen, ihre Geschäfte auszubauen, während wir gleichzeitig unser eigenes Geschäft aufbauen. Wir tun im Grunde genommen das Gleiche wie diese Geschäftsfrauen – nur auf einer anderen Ebene.

Wie bist du auf den Namen moWoza gekommen beziehungsweise was bedeutet er?

Suzana: Der Name bedeutet mo für mobile und Woza ist ein Zulu-Wort für Laufen. Für mich ist es symbolisch für modernes Unternehmertum: Das Handy sollte die Arbeit für die Frauen erledigen, damit sie nicht ihr stationäres Geschäft verlassen müssen, um Produkte zu verkaufen. Es geht um Convenience und das Handy kann als Werkzeug diesen, das den Geschäftsfrauen mehr Komfort und Service bietet.

Deine Zielgruppe sind in der Regel Frauen, Unternehmerinnen, und du warst ihnen mit einem digitalen Angebot einen Schritt voraus, trainierst sie aber gleichzeitig darin, wie sie dein Angebot richtig nutzen können.

Suzana: Und eigentlich sogar noch mehr. Wir schulen sie in Digitalisierung, aber wir bieten auch Kurse zu Wirtschafts- und Finanzkenntnissen an. Wir machen sie auf die verschiedenen Elemente des Unternehmertums aufmerksam, da die Mehrheit dieser Frauen nur eine sehr geringe Schulbildung hat. Sie haben sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen, um zu überleben und nicht aus strategischen oder gar Erfolgsgründen.

Bist du nur in Mosambik aktiv oder arbeitest du bereits in anderen Ländern?

Suzana: Momentan sind wir nur in Mosambik. Aber wir haben begonnen, uns verschiedene Regionen anzusehen. Uns hat kürzlich eine Organisation kontaktiert und gefragt, ob wir Interesse an einer Partnerschaft hätten, diese Art von Business-Kursen in Jordanien und Ägypten abzuhalten.

Wir denken aber eher darüber nach, in unsere Nachbarländer wie Malawi oder Tansania zu gehen. Auch in Südafrika bin ich auf großes Interesse gestoßen. Generell würde ich sagen, dass die Themen, die wir anbieten, in den meisten ländlichen Gebieten die Hauptprobleme sind, mit denen diese Frauen in kleinen Unternehmen konfrontiert sind: Sie haben ihr Geschäft gegründet, aber sie haben keine Struktur und keine Business-Erfahrung.

Wie sieht dein heutiges Leben als Unternehmerin aus im Vergleich zum Angestelltendasein? Was hat sich am meisten verändert?

Suzana: Der größte Unterschied zwischen der Arbeit als Angestellter und der Leitung eines eigenen Unternehmens – vor allem in diesem Stadium – besteht darin, dass du einfach handelst. Du musst wirklich alles auch selbst mit anpacken. Und so lernst du auch, sehr flexibel zu arbeiten: Eine Stunde am Tag sitzt du mit deinem Buchhalter zusammen und sprichst über die Ausgaben des Unternehmens. Eine Stunde später entwickelst du die Marketing-Strategie der kommenden Monate. Im weiteren Verlauf desselben Tages sitzt du in einem IT-Meeting und klärst technologische Fragen. Du musst mit dieser Bandbreite in einem Start-Up klarkommen, denn es nimmt dir keiner ab. Und das ist wahrscheinlich der größte Unterschied im Arbeitsalltag.

Der Unterschied in Bezug auf den Lebensstil ist, dass man als Angestellter Auszeiten hat, egal wie wichtig und verantwortungsvoll deine Aufgabe ist. Als Gründer deines eigenen Start-Up-Unternehmens ist es weitaus schwieriger, diese Auszeiten zu haben. Ich fühle mich zudem auch gegenüber meinen Mitarbeitern sehr verantwortlich und muss dafür sorgen, dass sie auch am nächsten Tag einen Job haben.

Hast du ein Motto, nach dem du lebst oder arbeitest?

Suzana: Das tue ich. Ethik ist mir sehr wichtig. Ich möchte zu jeder Zeit sagen können, dass alles, was wir tun, ethisch korrekt ist. Wir sind sehr transparent in allem, was wir tun. Ich bin mit Korruption nicht einverstanden und würde nichts tun, was als korrupt empfunden oder interpretiert werden könnte. Das ist mir sehr wichtig, da wir in einem Unternehmen tätig sind und in einem Umfeld arbeiten, in dem die Geschäfte leider sehr informell geführt werden.

Wenn du einer aufstrebenden Gründerin einen Tipp geben könntest, was würdest du ihr raten?

Suzana: Bleib dran! Wir alle hören von immer wieder von Start-Ups, die über Nacht plötzlich erfolgreich werden. Aber wenn wir dann mal genauer nachforschen, stellen wir fest, dass dieser plötzliche Erfolg eigentlich sieben Jahre gedauert hat.  Denn normalerweise gibt es eine ganze Menge Hausaufgaben, die im Hintergrund erledigt werden, bevor das Unternehmen überhaupt das Tageslicht erblickt und bekannt wird.

Ein Unternehmen aufzubauen ist ein fließender Prozess und wir müssen uns dessen bewusst sein. Für jedes erfolgreiche Unternehmen wird sehr viel in Bewegung gesetzt – und das laufend. Das lerne ich jeden Tag wieder aufs Neue.

Das Interview führte Christina Richter von FIELFALT, der Community und dem Blogazine für Female Empowerment. FIELFALT möchte Frauen ermutigen, ihre Komfortzonen zu verlassen, um etwas zu wagen und ihre Ziele und Träume zu verwirklichen.