Debatte der IT-Giganten Pentland und Keen über Big Data

Wird Big Data unser Leben verbessern? Darüber stritten die Internet-Experten Alex Pentland und Andrew Keen bei der „Digitising Europe Initiative 2015" in Berlin.

Es war eine kontrovers geführte Debatte, die sich in Berlins Mitte im voll besetzten FAZ Atrium abspielte. Die etwa 150 Anwesenden sahen mit MIT-Pionier Alex ‚Sandy‘ Pentland und Erfolgsautor Andrew Keen („The Internet Is Not The Answer”) zwei bestens aufgelegte Redner, die in so manchem Punkt nicht derselben Meinung waren. Im Rahmen der „Digitising Europe Initiative 2015“ ging es in diesem Jahr um die Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung, insbesondere unter dem Schlagwort Big Data.

Im Stile eines offenen Schlagabtausches standen sich die beiden Redner nach den Begrüßungsworten durch Mark Speich, Managing Director des Vodafone Institut für Gesellschaft und Kommunikation, an den Pulten gegenüber. Abwechselnd versuchten sie ihren Gegenüber und das Publikum mit Wortbeiträgen zu überzeugen. David Deissner, Director Strategy and Programmes im Vodafone Institut, moderierte die Veranstaltung.

Beiden Experten standen zu Beginn etwa 20 Minuten zur Verfügung, um ihre Argumentation darzulegen. Bereits hier wurde deutlich, dass Pentland insbesondere die Vorteile der voranschreitenden Digitalisierung hervorheben wollte. Die erfolgversprechende Nutzung von Big Data in nahezu sämtlichen Gesellschaftsbereichen war dabei das Kernanliegen des ausgewiesenen IT-Wissenschaftlers.

Pentland zeigte sich offen für Kritik an dieser Positionierung, betonte aber gleichzeitig, dass es aus seiner Sicht keine Alternative gebe. „Wir haben für unsere physische Identität gekämpft – jetzt müssen wir für unsere digitale Identität kämpfen“, wandte er sich vielmehr mit einem eindringlichen Appell an die Zuschauer.

Unternehmer Keen konterte und verwies auf mögliche Probleme in diesem Zusammenhang. Gefahren entstünden vor allem auf der sozialen Ebene sowie für die kreative Vielfalt. Letzteres etwa durch die Abwertung klassischer Printmedien aufgrund der flächendeckenden Nutzung von Social Media.

Keens Tenor: Heutzutage ist jeder ein Experte, die wirklichen Experten und Kreativköpfe würden dadurch ihrer Einzigartigkeit beraubt. Zudem kritisierte er die Möglichkeit der Auffindung sämtlicher Einträge: „Was das Internet vergessen hat, ist zu lernen zu vergessen.“

Nach mehreren kleinen Diskussionsabschnitten wurde die Debatte dem anwesenden Publikum und der Twittergemeinschaft geöffnet. Dabei ging es teilweise hitzig zu. Mit spontanem Applaus, kurzen Zwischenrufen oder Gelächter goutierte das Publikum einzelne Äußerungen der Redner und sorgte somit zusätzlich für eine lebhafte Diskussion.

Die „Digitising Europe 2015 Initiative“ ist die zweite Auflage der im vergangenen Jahr erfolgreich gestarteten Serie zur Digitalisierung der Gesellschaft. Im Laufe der nächsten Monate werden weitere Formate in unterschiedlichen Größenordnungen folgen.

Zur Social-Media-Rückschau können Sie die veröffentlichten Meinungsbeiträge bei Twitter unter dem Hashtag #digitisingEU nachvollziehen.

Denkwürdige Debatte: Alex „Sandy“ Pentland (l.), David Deißner (m.) und Andrew Keen im FAZ Atrium, Berlin im November 2015 (Foto: Vodafone Institut)