Kapitalgeber übersehen enormes Potenzial von „Gender Lens Investing“

Obwohl gender-sensible Investitionen in Deutschland und Europa vernachlässigt werden, sind sie ein wertvolles Werkzeug zur Chancengenerierung und zum Wirtschaftsantrieb.

Hedda Pahlson-Moller (Moderatorin des Workshops) (Credit: Philipp Külker)

Zu diesem Ergebnis kommen rund 20 Investorinnen und Investoren, die kürzlich auf Einladung des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation und von PLAN W, dem Frauenwirtschaftsmagazin der Süddeutschen Zeitung, in Berlin über Chancen und Hindernisse von ‚Gender Lens Investing‘ diskutierten. Grundlage des Workshops bildete die Arbeit und Forschung von Suzanne Biegel, Investorin und Gründerin von Catalyst at Large.

„Gender Lens Investing“ (GLI) ist weltweit als wichtiges und effektvolles Instrument anerkannt, um Geschäftschancen zu ermöglichen und Wirtschaft zu fördern, allein in Deutschland und Europa wird das Thema stiefmütterlich behandelt. „Die ‚Gender Lens‘ beim Investieren nicht zu berücksichtigen heißt, Chancen und Potentiale zu vergeuden“, sagt Hedda Pahlson-Moller, Business Angel, Impact-Investorin und Moderatorin der Diskussionsrunde. „Davon abgesehen läuft man in das Risiko, Erkenntnisse und Marktchancen zu verpassen.“

Gender Lens Investing Diskussionsrunde (Credit: Philipp Külker)

Die Weltbank beziffert den Bedarf an Investitionen in Mädchen und Frauen auf 280 bis 320 Mrd. $. Sie bezeichnet sie als wichtigen Hebel, um Armut zu bekämpfen und Wohlstand für Frauen und ihre Familien weltweit zu erreichen. Demgegenüber stehen bislang nur 2 Mrd. $ Fondsgelder aus privater und öffentlicher Hand – überwiegend aus den USA bzw. Asien und Australien –, die einen Gender-Fokus haben. „‚Gender Lens Investing‘ steckt noch in den Kinderschuhen, insbesondere in Europa“, urteilt Alice Deißner vom Vodafone Institut. „Wir setzen uns dafür ein, dass das Thema hierzulande Beachtung findet.“

Alica Deißner (Leiterin Strategie und Programme, Vodafone Institut) (Credit: Philipp Külker)

Gleichzeitig verdeutlichen Studien, dass es eine positive Abhängigkeit zwischen der Rendite und Gender-basierten Investitionen gibt.

Die Diskussion der Investorinnen und Investoren zeigt, dass Aufklärung notwendig ist, um Kapitalgeber für GLI zu sensibilisieren und auf die Chancen hinzuweisen. Sie fordern einen Kulturwandel, damit beispielsweise Gründerinnen und Unternehmerinnen Zugang zu Kapital erhalten: „Weil ‚Gender Lens Investing‘ Neuland ist, brauchen die Akteure in der Finanzszene Mut, um bisherige Investitionsgepflogenheiten zu ändern“, stellt Angela Kesselring, Initiatorin von PLAN W und Geschäftsleiterin von SZ Scala fest. „Als Frauenmagazin der Süddeutschen Zeitung haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, all jenen eine Bühne zu geben, die Wirtschaft verändern.“