„Fußball ist der größte gemeinsame Nenner“

Smartphone + Fußball, das kann bedeutend mehr sein als bloß Spielerei. Unternehmer und Visionär Manfred Kastner über das Potenzial seiner innovativen Sprachlern-App für Flüchtlinge.

Dieser Name ist Programm: „VISION EDUCATION“ heißt die Initiative des österreichischen Unternehmers Manfred Kastner, 53. Mit Hilfe von Sponsoren initiiert, fördert und unterstützt sie spannende Bildungsprojekte. Jüngster Output aus der Wiener Ideenschmiede ist die Deutsch-Lern-App „VISION EDUCATION Football“, mit deren Hilfe sich junge Migranten und Flüchtlinge spielerisch einen Grundwortschatz aneignen können. Seit Juni ist die App, die von Vodafone Deutschland unterstützt wird, via App Store sowie Google Play downloadbar.

Im Interview skizziert Kastner die Perspektiven und begründet, warum die Gleichung Smartphone + Fußball mehr ist als bloße Spielerei.

Herr Kastner, was muss eine gute Sprachlern-App können?

Manfred Kastner: Sie muss lebensnah sein, die Menschen dort abholen, wo sie sind. Das versuchen wir mit Fußball – nicht nur in der digitalen Welt, sondern auch in der Lebenswelt. Eine gute App muss außerdem pädagogisch durchdacht sein. Idealerweise baut man bei der Erstellung auf die Erkenntnisse renommierter Pädagogen und Lernpsychologen.

„VISION EDUCATION Football“ ist verortet in der Lebenswelt Fußball. Warum?

Kastner: Der größte gemeinsame Nenner weltweit ist Fußball. Die Fußballwelt hat eine Funktion als „soziale Medizin“. Mit Fußball ist es wie mit Sprache: Es ist ein Füreinander, ein Miteinander. Man kommt durch sie und in der Fußballwelt mit anderen Menschen in Kontakt. Sprachliche wie soziale Integration sind elementare Motivationen von Menschen, die in ein neues Land kommen, und die Vereinsarbeit ist gelebtes soziales Engagement.

Ihre Sprachlern-App dürfte das Interesse von Verbänden und Vereinen wecken. Gibt es bereits Kontakt zu Institutionen wie dem Fußball-Weltverband Fifa oder der Europäischen Fußballunion Uefa?

Kastner: Das Projekt ist noch sehr jung. Wie haben schon den Deutschen und den Österreichischen Fußballbund angesprochen. Ich habe auch beispielsweise mit einem großen Champions-League-Sponsor Kontakt. Aber man darf nicht vergessen: Zurzeit läuft die Europameisterschaft, da sind die meisten Entscheider aus der Fußballwelt mit anderen Dingen beschäftigt (lacht). Ab August, wenn die Verantwortlichen erholt aus dem Sommerurlaub zurückkehren, treten wir intensiv heran an Player wie Fifa und Uefa. Wir wollen darüber hinaus aber auch die vielen kleinen Vereine erreichen. Jene Orte also, wo die soziale Interaktion gelebt wird. Ich finde, es wird vollkommen unterschätzt, was – gewissermaßen auf der Mikroebene – von Ehrenamtlichen für unsere Gesellschaft geleistet wird. Sie sind das Rückgrat der Sozialisierung von Menschen. Dafür sollten wir dankbar sein. Ihre Arbeit wollen wir mit unserer Initiative speziell unterstützen.

Wie soll beispielsweise ein Flüchtling aus Syrien eigentlich von „VISION EDUCATION Football“ erfahren?

Kastner: Wir sprechen momentan viele Nicht-Regierungsorganisationen an. Sie sind unsere Multiplikatoren. Ihnen stellen wir etwa Download-Informationen zur Verfügung in etlichen Sprachen wie Arabisch oder Englisch zur Verfügung. Es ist ein wichtiges Ziel und Aufgabe, unsere App dort bekanntzumachen und so möglichst vielen Menschen tatsächlich zu helfen.

Der Begriff Spielerei hat mitunter eine negative Konnotation. Ist er in diesem Fall dennoch genau der richtige?

Kastner: Letztlich erweitern wir aus meiner Sicht den Spielplatz. Wir haben große Ideen. Mit Hilfe des Fußballsports möchten wir ein soziales Netzwerk schaffen, das es ermöglicht, dass künftig zum Beispiel der fußballbegeisterte Junge aus Deutschland sich mit anderen Jungs aus Spanien, aus Kenia, aus China, aus Brasilien austauscht und dabei lernt, wie leben die Menschen dort eigentlich? Die neu erworbenen Sprachfertigkeiten ermöglichen diesen Dialog letztlich mit.

Wenn Sie einmal träumen dürften: Auf wie vielen Smartphones weltweit soll Ihre Fußball-Sprachlern-App eines Tages installiert sein?

Kastner: Fußball ist ein Spiel für Milliarden (lacht). Aber wir wollen realistisch bleiben. Unser Ziel sind zunächst 100.000 Downloads im ersten Jahr und eine Million nach drei Jahren. Es könnte aber sein, dass wir diese Zahlen deutlich übertreffen werden. Das liegt auch an der Vorarbeit über eine andere Sprachlern-App aus unserem Hause. Wenn es uns gelingt – etwa über Unicef und mit Hilfe von Unternehmen wie Vodafone – wirksam an die großen Verteiler-, an die Mulitiplikatorenstellen zu gelangen, also dorthin, wo Menschen anderen Menschen konkret helfen, dann werden unsere Zahlen explodieren. Da bin ich ganz sicher.

Klingt nach Ausbaupotenzial schon jetzt.

Kastner: Absolut. 2017 möchten wir mit einer Mathematik-App „das Spielfeld erweitern“, und wir planen, bereits im Herbst Erwachsenen eine Business-App über das Thema Fußball anzubieten.

Mafred Kastner

Manfred Kastner zeigt sich im Interview von der integrierenden Kraft durch Fußball-Apps überzeugt (Foto: Vodafone Institut)