„Diese Art Lernen wird uns künftig viel mehr begleiten“

Innovationschef Michael Reinartz über das Vodafone-Engagement für die Sprachlern-App "VISION EDUCATION Football" und Gamification als Mittel zum sinnvollen Zweck.

Dass ein Großteil der Menschen, die seit Monaten nach Europa flüchten, im Besitz von Smartphones sind, ist längst bekannt. Welche Chancen sich daraus ergeben, hat Michael Reinartz, Innovations-Chef von Vodafone Deutschland, unlängst mit den Worten skizziert: „Die digitalen Technologien sowie die Verbreitung von Smartphones geben uns großartige Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche schnell und einfach mit unseren innovativen Lösungen zu erreichen und ihnen den Start in ihrer neuen Umgebung zu vereinfachen.“

Konkret soll das am Beispiel der innovativen, von dem Österreicher Manfred Kastner erfundenen und von Vodafone geförderten Sprachlern-App „VISION EDUCATION Fußball“ möglich werden. Die App, die am 6. Juli im Rahmen einer Paneldiskussion in Berlin vorgestellt wurde, und die sich vor allem an Flüchtlinge und Migranten wendet, ist seit kurzem im App Store sowie via Google Play kostenfrei downloadbar. Aus zunächst 13 Sprachen – darunter Farsi, Arabisch und Swahili – lassen sich mit ihrer Hilfe typische Fußball-Begriffe und mehr ins Deutsche übersetzen.

Warum Vodafone von „VISION EDUCATION Fußball“ überzeugt ist und welche Herausforderungen nun angegangen werden, erläutert Innovations-Chef Reinartz im Interview.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Initiative „VISION EDUCATION“ und Herrn Kastner zustande gekommen, Herr Reinartz?

Michael Reinartz: Über mehrere Ecken haben wir bei Vodafone den Hinweis erhalten, dass es da eine interessante App gibt. Eine App, die abseits der üblichen Mechanismen eine kontextbasierte Möglichkeit findet, Sprache zu vermitteln. Wir fanden das gleich sehr interessant. Ursprünglich war die Idee, diese Idee womöglich später anderswo in unserer Vodafone-Welt unterzubringen. Aber mit dem Thema Fußball war natürlich gleich klar: Das passt während der laufenden Europameisterschaft besonders gut.

Die Verbindung Fußball/Smartphone vermag enorme Märkte zu eröffnen.

Reinartz: Zweifelsohne, ja.

Steht hinter dem Engagement von Vodafone für diese App und Initiative also auch eine strategische, ökonomische Entscheidung?

Reinartz: Weniger das als mehr der Aspekt der Corporate Social Responsability. Das große Thema Flüchtlinge hat uns alle in den vergangenen Monaten sehr stark begleitet. Wir als Unternehmen möchten durch unser Engagement einen Teil zum Gelingen von Integration beitragen.

Eine Sprachlern-App mit Fußballbegriffen – das kann auf den ersten Blick nach einer Spielerei klingen.

Reinartz (lacht): Ja, mag sein. Aber wo oftmals Begriffe wie „Revenue“ eine zentrale Rolle spielen, sollten wir nie vergessen, wie wichtig es eigentlich ist, nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft zu prägen. Wir bei Vodafone betonen derzeit zu Recht, dass wir die Gigabit-Gesellschaft prägen wollen. Lernen, dauerhaftes Lernen, und der Weg zum Erlangen von Wissen mit Hilfe digitaler Medien sind dabei ganz wichtige Aspekte. In diesem Falle auf spielerischem Wege, klar. Aber ich bin überzeugt, diese Art von Lernen wird uns zukünftig noch viel mehr begleiten.

Gamification als Trend also?

Reinartz: Exakt. So ist es.

Spielerisch Wissen zu vermitteln, bedeutet letztlich gewissermaßen lernen auf den zweiten Blick. Sieht so demnach die Zukunft von Bildung aus?

Reinartz: Ja. Ich denke, das ist der unausweichliche Weg, um Kinder und Jugendliche den Umgang mit Technik und Medien, die Benutzung von Smartphones bestmöglich zu vermitteln. Wie funktioniert Technik? Wie setze ich mich mit ihr auseinander? Das sind aus meiner Sicht enorm wichtige Fragen.

Worin liegt die Attraktivität innovativer digitaler Bildungsangebote?

Reinartz: Als Telekommunikationsunternehmen sind wir stets auf der Suche nach spannenden Themen, die am Ende auch unseren Kunden Spaß machen und ihnen dabei helfen, in ihrem Leben, in ihrem Business weiterzukommen und eine Wertschöpfung daraus zu ziehen, während sie mit dem Mobiltelefon oder dem Tablet arbeiten. Eine Säule unseres Innovationsbereichs ist die Zusammenarbeit mit Start-ups. Uns beschäftigt also die Frage: Wie können wir interessante Ideen fördern und sie der Masse zugänglich machen?

Inwieweit kann Vodafone als Förderer der Initiative „VISION EDUCATION“ inhaltlich mitreden?

Reinartz: Bei der Entwicklung konnten wir nicht mitentscheiden. Aber die Präsentation hat uns überzeugt, ebenso wie Herr Kastner zuvor schon Häuser wie Langenscheidt oder Oxford davon überzeugt hat, dass die kontextbasierte Auswertung der App herausragend ist. Es geht also weg vom üblichen Weg für den User unter der Frage: „Was ist falsch? Was ist richtig?“, hin zu: „Wie kann ich es besser machen?“ Diese App ist eine sehr interessante, die völlig von dem abweicht, was ich in dem Bereich bislang kennengelernt habe.

Michael Reinartz zur Fussball-App

Michael Reinartz im Interview: „Wir als Unternehmen möchten durch unser Engagement einen Teil zum Gelingen von Integration beitragen.“ (Foto: Vodafone Institut)